Hallo, Freunde!

 

 

 

 

Ich bin so oft gefragt worden - woher ich stamme - meistens sage ich - aus Bulgarien, aber die Leute merken sich es so wie so nicht - vor allem - ich habe die Nase voll von der ewigen Verwechselung zwischen Bulgarien und Rumänien - seit Ihr alle Mitteleuropäer wirklich so ahnungslos? Kein Mensch auf dem Balkan glaubt z. B. dass Österreich noch immer zu Deutschland gehört (was das Equivalent für Ahnungslosigkeit wäre ;-)... 

 

Also - kurze Biographie - Kapitel 1:

 

Ich bin am 02.10.1957 in Bulgarien geboren - meine Heimstadt Plovdiv ist die zweitgrößte Bulgariens und befindet sich in der Mitte Trakiens (klingelt es? - die Traker - Orpheus, Spartakus, etc.) Das ist natürlich rein geographisch gesehen - es gibt heutzutage keine Traker, genau so wie keine Etrusker und andere alte Völker. Die waren mit den Slawen und den Alt-Bulgaren, die im Jahr 681 den Staat Bulgarien gegründet hatten, schon längst verschmolzen und daraus ist die heutige bulgarische Nation geworden. Heutzutage ist die Provinz Trakien (Trakia) in fast gleichen Teilen zwischen Griechenland, Bulgarien und Türkei geteilt.

 

Dass aus einer geographischen Provinz wie Makedonien, die zwischen Bulgarien, Serbien und Griechenland geteilt ist, eine Nation geschaffen wurde, zeigt nur die Grenzenlosigkeit der politischen Spielchen, aber das ist ein ganz anderes Thema... 

 

Die Stadt als Stadt wurde von Philip der Mazedonier, der Vater von Alexader der Grosse, gegründet in Memoraum der Geburt seines berühmten Sohnes und seinen Name gegeben - Philipopolis. Die Traken vorher nannten sie Evmolpia, die Römer -  Trimontium, was "auf drei Hügeln" bedeutet, die Bysantier - Pulpudeva; noch später wurde sie Philibe, Puldin und endlich - Plovdiv.

 

Das bedeuternste an Plovdiv sind es die 7 Hügeln, die schon in antiken Zeiten als Naturschutz für unzählige Siedlungen dienten - egal wo man a´bissl tiefer gräbt - findet man alte Ruinen.  Es gibt drei Amphitheater - das eine ist "klein" und integriert in der Struktur der Inneren Stadt und ist ein beliebter Platz zum Treffen von verschiedenen Künstlern - hauptsächlich Mahler und Handwerker, die ihre Bilder und Buntes Zeug auch den ganzen Tag lang verkaufen. Das Zweite ist ziemlich groß und gut restauriert - man kann heutzutage dort "Open Air Theater" besuchen - meistens Drama Stücke aus der Antike und Konzerte - passt super zu der natürlichen Kulisse den Hügeln, das dritte wurde vor ein paar Jahren entdeckt und ist schon an meistbietende Firma aus dem Ausland verpachtet...

 

In meiner Kindheit war die Stadt "berühmt" mit der internationalen Frühjahr- und Herbst-Messe (später war ich oft als Dolmetscher dort engagiert) und die mehreren Ernten Tomaten, wie in Kalifornien. Das Klima ist auch ähnlich - im Sommer sind es über 40° C nicht selten - Gott sei dank der größte Fluss der Balkanischer Halbinsel (außer Donau, der praktisch unsere Nordgrenze ausmacht) - "Maritza" fließt durch die Stadt und bringt Abkühlung. In meiner Kindheit konnte man dort fischen und baden, was ich auch reichlich getan habe.

 

Für mich aber die wichtigste Tatsache war, dass die E5 EU Strasse praktisch durch die Stadt fuhr (jetzt fährt die Autobahn 20 Km nördlich) und E5 war die Straße, die damals (genau wie heute) nach Istanbul und weiter nach Katmandu fuhr... Ich hatte schon in meiner zarten und zerbrechlichen Kindheit echte Kontakte mit den echten Hippies und ihrer Musik.

 

Es gab ein beliebtes Freienbad, dass ca. 10 km außerhalb der Stadt lag - mit Motel und ein paar Schwimmbecken - im Sommer waren wir täglich dort. Das natürlichste Mittel zum Fahren damals war Autostoppen und einige der ersten Lieder von Simon und Garfunkel habe ich in unzähligen bemahlten VW-Busse gehört und teilweise gelernt...

 

Dafür hatte ich auch ziemlich viel Ärger mit der "Milizia" (die damalige Volkspolizei) - die wollte unsere zarte und ungenaue Vorstellungen über den Welt-Sieg der Kommunistischen Ideologie durch die Hippies nicht durcheinander bringen lassen... Es war sehr leicht bei einer "Auto-Kontrolle" uns die heimischen von den Hippies zu unterscheiden - wir hatten ja 2,5 cm lange Haare (ja, genau - in der Schule war´s nicht erlaubt, dass die Buben Haare länger als 2,5 cm haben, was auch am 1. und 15. jeden Monat bei Eingang in die Schule kontrolliert wurde!!!) und in Sommer die Milizia könnte (und tat es auch!!!) jeden Menschen von der Strasse, der nicht den Kriterien des "Kommunistischen Ideals für´s Aussehen" entsprach (lange Haare, Bart, etc.) holen und ihm eine "Jerokese Frisur" verpassen (ein glatter Pfad mit der Frisörmaschine vom Stirn bis zum Nacken) - man rasierte sich dann freiwillig den ganzen Schädel für symmetrische Erscheinung...

Komischerweise, wenn die Punk-Frisuren 10-15 Jahre später modern wurden, wurden sie ebenfalls verboten...

 

Man konnte uns aber das Hirn nicht rasieren - und da wuchsen mir die Haare und die Gitarrenakkorden bis zum Arsch;-)...

 

Eine andere Gelegenheit um ins Kontakt mit dieser Musik zu kommen war für mich das "Internationale Jugend-Zentrum" am Schwarzen Meer, was eigentlich ein riesiger Campingplatz mit Bungallos, Open Air Theater, Restaurants und Nachtclubs war, wo die "Progressive Jugend" der ganzen Welt im Sommer willkommen war. Dieses Zentrum war eigentlich vom Kommunistischen Regime gedacht als Platz, wo man den "armen" Jugendlichen aus den "eksploatierten kapitalistischen Ländern"  die Vorteile des Kommunismus beibringen wollte. Selbstverständlich war dieser begehrte Campus für uns, Bulgaren (sogar der Eintritt ins Gelände!!!) streng verboten (aus berechtigter Angst, dass die Überzeugung in die falsche Richtung fließen könnte). Und genau so selbstverständlich war es, dass "ausgewählten Repräsentanten der Bulgarischen Jugend" (hauptsächlich Söhnchen und Töchterchen der Kommunistischer Oligarchie) der Aufenthalt dort fast kostenlos angeboten wurde (unsere führende Jugend musste die Westliche Kultur kennen lernen!)

 

Mein Glück war, dass mein Vater drei Sommer in der Reihe jeweils für einen Monat als Hauptarzt dieses Zentrums geschickt worden war und für ihn und seine Familie war der Aufenthalt dort erlaubt (für die Zeit der Beschäftigung)  Da hatte ich die Chance für meine ersten wirklich gute (und langfristige!) Freundschaftskontakte mit ein paar tollen Burschen und Mädchen in meinem Alter aus Deutschland, Nord Irland und USA.

 

Ich kann mir noch immer gut an Rainer erinnern - von ihm habe ich "Streets of London" gelernt und Jahre lang gesungen, bevor ich das Original gehört habe - oder Billy - er hat mir "The Boxer" beigebracht - ein Jahr später ist er bei einem Bombenanschlag in Belfast getötet worden und ich habe für ihm und Sally (seine damalige Freundin) immer eine Träne übrig - egal wann ich an die beiden denke... 

 

Ich war 15-16 und zum ersten mal habe ich mich bei meinen Eltern offiziell bedankt für den langjährigen Privatunterricht in Englisch, womit sie mich (so habe ich es bis zu diesem Zeitpunkt empfunden;-) seit meinem 6. Lebensjahr grundlos gequält hatten...

 

Das ist sicher nicht das Einzige, wofür ich meinen Eltern dankbar bin (ich war 10 Jahre Leistungsschwimmer und ich habe auch 3 Jahre Geige gelernt, bis zum ich heimlich auf die Gitarre umgestiegen bin), aber mit Abstand - das Wichtigste in meinem Leben.

 

Ich höre jetzt auf, weil langsam wird es ein Roman daraus... Wenn ich wieder Lust habe oder Ihr wieder zu lästig werdet, dann schreibe ich weiter...

              

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